Wie werde ich Segelflieger/in?

Segelfliegen ist ein Gemeinschaftssport, bei dem viele Hände helfen müssen, damit jeder mal ”in die Luft” kommt. Wer für eine Stunde auf dem Flugplatz auftaucht, um „mal eben" zu fliegen, ist nicht wirklich Segelflieger und bei uns fehl am Platz.
Vielmehr ist es aber ein Tag oder mehrere, ein Wochenende an dem man vom Alltag abschalten und mal auf andere Gedanken kommen kann. War man erst mal “wieder oben”, dann hat man, wie man so sagt, den Kopf wieder frei (das berichten nicht nur die “alten” Flieger).

Wer aber fliegt bei uns?
Leute aus allen Berufs- und Altersschichten, die Spaß an diesem Sport gefunden haben und bereit sind, genügend Zeit und Engagement mitzubringen.

Behördliche Voraussetzungen für den Beginn der Ausbildung?
Sie brauchen nichts weiter als ein polizeiliches Führungszeugnis (bei Beginn) und die Flugtauglichkeitsuntersuchung durch einen Fliegerarzt (erst vor dem ersten Alleinflug).

Gibt es Altersgrenzen?
Jeder Jugendliche ab 14 Jahren und jeder noch Junggebliebene, dem es der Fliegerarzt erlaubt, kann Segelflieger werden. Der Luftfahrerschein wird allerdings erst am 16. Geburtstag ausgehändigt, auch wenn man die Prüfung schon vorher abgelegt hat. Er gilt dann unbefristet, wenn man die erforderlichen Mindestflugleistungen innerhalb dieser Zeit erbracht hat und der Fliegerarzt einverstanden ist.

Wie läuft die Ausbildung ab?
Die Ausbildung erfolgt nach bundesweit einheitlichen Richtlinien mit einem Fluglehrer im Doppelsitzer. Flugschüler sitzen vorn, der Lehrer sitzt hinten. Ist der Fluglehrer nach ca. 50-60 Starts der Meinung, dass Du das Flugzeug zuverlässig und gefahrlos fliegen kannst, darfst Du das erste mal allein fliegen.
Die A-Prüfung beendet den ersten Ausbildungsabschnitt mit drei Flügen ohne Lehrer.
Wie lange eine Ausbildung aber genau dauert kann man nicht pauschal sagen, da jeder Mensch ein anderes Lernverhalten hat. Der Fluglehrer lässt Sie daher nicht nach einer bestimmten Anzahl von Starts allein fliegen, sondern entscheidet nach Ihrer Fähigkeit, das Flugzeug wirklich sicher fliegen zu können. Nach den ersten Alleinflügen folgen Flüge im Einsitzer unter der Aufsicht des Fluglehrers. Ein weiterer Höhepunkt sind die ersten kleinen Streckenflüge, die nun folgen.
Bei der B- und der C-Prüfung werden weitere fliegerische Fähigkeiten nach- gewiesen.
Neben der praktischen Ausbildung findet in den Vereinen auch eine theoretische Ausbildung statt (meist im Winter), bei der Du über Meteorologie, Luftrecht, Technik, Verhalten in besonderen Fällen und Navigation unterrichtet wirst.
Am Ende der Ausbildung steht eine amtliche Prüfung in Theorie und Praxis. Wer sie besteht, bekommt den PPL-C, den Luftfahrerschein für Segelflugzeugführer.
Aber auch nach dem Erhalt Ihres Flugscheins bieten sich noch viele Möglichkeiten für neue Herausforderungen, wie zum Beispiel der Wettbewerbs- und Streckensegelflug.

Ist Segelfliegen teuer?
Nicht teurer als beispielsweise Fußball, Skifahren, Surfen, Squash, Sportschießen u. ä. Wer sich engagiert an den anfallenden Vereinsarbeiten beteiligt, fliegt günstig. Für Jugendliche und Studenten haben die meisten Vereine außerdem Sondertarife, durch die das Fliegen sehr preiswert wird. Wie haben es mal für unseren Verein ausgerechnet. Mit 30,-€ im Monat festen Kosten kommt man aus. Da gibt man wohl sonst für anderes zum Teil mehr aus. Fragt bei uns nach!

Muss man ein eigenes Segelflugzeug kaufen?
Nein! Der Verein stellt Segelflugzeuge zur Verfügung, die den fliegerischen Fähigkeiten der Piloten entsprechen.

Ist Segelfliegen gefährlich?
Einen Motor, der stehen bleiben könnte, gibt es nicht. Die Festigkeit eines Segelflugzeuges ist wesentlich höher als die einer modernen Verkehrsmaschine. Jedes Flugzeug wird durch einen vom Luftfahrt-Bundesamt lizenzierten Prüfer jährlich kontrolliert. Trotzdem: Ein Restrisiko durch menschliches Versagen lässt sich auch in der Segelfliegerei nicht völlig ausschließen.

Was ist wenn... (Fragen welche wir öfter hören, gern beantwortet) 
...man in ein Luftloch kommt?
Nichts, denn es gibt keine Luftlöcher, nur Auf- und Abwinde, die das Flugzeug ganz einfach durchfliegt.
...kein Aufwind mehr vorhanden ist?
Man landet auf dem Flugplatz.
...der Flugplatz nicht mehr erreichbar ist?
Dann landet man auf einem geeigneten Feld. Jedes Segelflugzeug ist hierfür konstruiert.
...das Schleppseil beim Start reißt?
Hierfür wird in der Ausbildung ein spezielles Verfahren geübt, das jeder Pilot beherrschen muss.

Wo kann man Segelfliegen lernen?
Zunächst einmal in allen 900 Segelflugvereinen des Deutschen Aero Clubs (DAeC). Also seit Ihr bei uns richtig!
Die Ausbildung in den Vereinen ist etwas zeitintensiver, was nicht unbedingt ein Nachteil sein muss, wenn man bedenkt, was noch „gratis" geboten wird: Mit Sicherheit einiges an Gemeinsamkeit, Geselligkeit und Teamgeist, aber auch die mögliche Erweiterung von Allgemeinwissen und praktischen Handfertigkeiten.
Auf die Luftfahrerscheinprüfung, die vor einem amtlichen Prüfungsrat abgelegt werden muss, hat der Ausbildungsweg Flugschule oder Vereinsschulung keinen Einfluss.

Und wie steht es mit der Umweltverträglichkeit?
Wirtschaftlichkeit ist ein erster Punkt, der auch für Umweltfreundlichkeit spricht, dazu: siehe oben!
Motorflugzeuge/Motorsegler/UL`s sind im Gegensatz zu Segelflugzeugen zu hören: Sie machen Lärm. Dieser Lärm lässt sich messen und objektiv mit anderen Lärmbeeinträchtigungen vergleichen - oder zum Politisieren verwenden. Messungen zeigen aber deutlich: Die Belästigung durch Fluggeräusche ist im Vergleich zu anderen Verkehrsgeräuschen außerordentlich gering. Wirklich laute Flugzeuge sind in der Minderzahl, und die Flugzeughalter in Deutschland haben es sich viel kosten lassen, ihre Flugzeuge noch leiser zu machen, als es die deutschen Zulassungsrichtlinien fordern. Und die sind schon wesentlich schärfer als die international gültigen Grenzwerte!

Und die Schadstoff-Emissionen?
Der Benzinverbrauch der Allgemeinen Luftfahrt beträgt 0,03% des gesamten Mineralölverbrauchs in Deutschland oder 0,1% des Verbrauchs an Kraftfahrzeugbenzin - der Schadstoffausstoß ist entsprechend niedrig!
Für jeden Meter, den ein Auto fährt, braucht es befestigten Untergrund, nicht anders die Bahn. Einem Flugzeug genügt ein Gras- oder Asphaltstreifen von etwa 700 m Länge am Start- und am Zielflugplatz, um hunderte von Kilometern zu überwinden! Und nebenbei eine Bemerkung für den Steuerzahler: Diese wenigen Meter Gras- und Asphaltbahn wurden zum großen Teil von den Fliegern selbst angelegt und werden von ihnen selbst betrieben und gepflegt, sie zahlen für Landungen Gebühren, um Sach- und Personalleistungen abzugelten, und sie entrichten dazu noch Mineralölsteuer, wie jeder Autofahrer! In Deutschland sind übrigens derzeit rund 7.000 Flugzeuge der besprochenen Kategorie zugelassen. Unsere Straßen bevölkern etwa 30.000.000 Pkw!

Und wenn ich einfach nur mal mitfliegen will?
Dann sprich auf einem Flugplatz ganz ungeniert jemanden an, von dem Du glaubst, er oder sie gehöre dazu und frage!

 

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